Was tun bei Bandscheibenvorfall? Na gewiss keine OP!

Bandscheibenvorfall? Soll das ein Thema in einem Entwickler-Blog sein? Sitzen ist das neue Rauchen steht auf einem Buch als Titel und ich finde ihn ganz passend. Denn es gibt immer mehr Sitz-Jobs und damit immer mehr Menschen, die unter einem Bandscheibenvorfall leiden. Nun ist man als Entwickler natürlich nicht davor gefeit und auch mir ist es passiert. Wie besch**** so etwas sein kann, wenn kein Arzt mehr weiter weiß und wie man ohne OP aus dieser Hölle herauskommt, beschreibe ich in diesem Artikel.

Ich muss wohl gleich am Anfang erwähnen: viele Vorschläge und Tipps beruhen auf meinen eigenen Experimenten. Sie sind in keinster Weise bestätigt oder wissenschaftlich belegt. Neudeutsch würde man das wohl „Biohacking“ nennen. Wer die Tipps hier nachmachen will muss das auf eigene Gefahr tun oder einen Arzt zu Rate ziehen.

Update Juli 2018: Ich merke, wie wichtig das Thema ist. Mich erreichen immer wieder E-Mails und auch Telefonanrufe von Menschen, die die gleichen Leiden haben. Ich kann nicht immer antworten aber ich sage Ihnen eines: geben Sie nicht auf! Meine Rückenschmerzen sind so gut wie weg. Lesen Sie weiter, wenn Sie mehr erfahren wollen.

Update November 2018: Ich habe nun herausgefunden, welches Gerät mir ganz besonders hilft. Mehr dazu am Ende des Beitrags.

Die Story von den Rückschmerzen

Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Und zwar die Geschichte von Meli (meiner Frau) und Flo (mir). Da wir beide zwei Weltenbummler sind, haben wir Ende 2015 den Entschluss gefasst, als so genannte Digitale Nomaden, eine Weile in Südostasien zu verweilen. Knapp acht Monate waren wir unterwegs. Ausgerüstet mit Laptop und Backpack. Im Nachhinein betrachtet, arbeiteten wir mehr als wir reisten. Und was macht ein Entwickler, wenn er arbeitet? Er sitzt. Und zwar auf den unbequemsten Sitzmöglichkeiten, die Asien zu bieten hat. Und wenn wir nicht arbeiteten, saßen wir im Bus, in der Bahn, im Flieger, auf dem Moped, im Auto, beim Essen im Restaurant oder bei einem guten vietnamesischen Kaffee. Zu viel sitzen also.

Und dazu der Stress mit den vielen Fragen:

  • Wohin geht die nächste Reise?
  • Wo können wir übernachten?
  • Wo ist das Internet gut?

Aber nicht falsch verstehen! Es war ja auch toll. Wer träumt nicht von einem genialen Arbeitsplatz auf Bali?

Nach acht Monaten kamen sie aber dann: die Rückenschmerzen im LWS-(Lendenwirbelsäulen)-Bereich. Ich hatte sie erst nur leicht. Vor allem beim Aufstehen am Morgen oder nach längerem Sitzen. Ich dachte mir nichts dabei, denn Rückenschmerzen hat ja jeder mal. Aber irgendwie wurde es nicht besser.

Glücklicherweise hatten wir zu der Zeit „die Schnauze“ vom Rumreisen voll und fassten den Entschluss, wieder ins gute alte Bayernland zurückzukehren. Über Singapur und Malaysia ging es nach Hause. Dort angekommen ging’s richtig los:

Schritt 1: Recherche der Schmerzursache

Wieder daheim wurde es furchtbar und fast nicht mehr auszuhalten:

  • Stehen? Schmerzte.
  • Liegen? Schmerzte.
  • Sitzen? Schmerzte.

Was soll man da noch tun? Ich war verzweifelt von den ganzen Schmerzen. Denn das ging so weit, dass ich nicht mal mehr schlafen konnte. Die Schmerzen gingen bei mir deutlich vom dem unteren Rückenbereich aus und „windeten“ sich dann nach unten bis vor das rechte Knie. „Kann es sein, dass du einen Bandscheibenvorfall hast?“, hörte ich wieder und wieder von Bekannten, Freunden und Familie. Jemand hat mir sogar sofort eine Rückenbandage in die Hand gedrückt. Diese hat am Anfang sogar geholfen. Aber gelöst war mein Problem dadurch nicht. Nun war es erst einmal an der Zeit mich an den Laptop zu sitz… äh liegen und zu recherchieren.

Internet-sei-Dank konnte ich schnell herausfinden, welche Schmerzquellen es gab. Es konnte eigentlich „nur“ ein eingeklemmter Ischias-Nerv sein, der für diese Schmerzen sorgte. Und der wird entweder

  • vom Bandscheibenvorfall,
  • vom Piriformis (dazu gleich mehr) oder
  • von einem Krebsgeschwür eingezwickt.

Schritt 2: Studieren des Körpers

Um zu verstehen, woher die Schmerzen kommen, muss man verstehen, wie das alles im Körper funktioniert. Geholfen hat mir hierbei das Buch Pilates Anatomie, welches ich mir von einem Freund geliehen hatte.

Was ist der Ischiasnerv?

Der Ischias ist der mächtigste Nerv von allen im Körper. So behauptet das Wikipedia. Er kommt aus dem Rücken und verläuft bis hinunter zum Fuß. Ist dieser Nerv irgendwo eingeklemmt kann er die unterschiedlichsten Symptome hervorrufen. Taubheitsgefühle in den Zehen oder generell am Bein, ein Brennen oder ein Stechen in den Waden oder vieles mehr.

Darstellung des Ischiasnervs im Körper
In gelb: der Ischiasnerv (Quelle: Wikipedia)

Was ist die Bandscheibe?

Die Bandscheibe ist – aus technischer Sicht – der Stoßdämpfer im Rücken. Sie liegt als flexible, faserknorpelige Verbindung zwischen den Wirbeln und ist in erster Linie dafür zuständig, die Wirbel auseinanderzuhalten damit sie nicht aneinander reiben können. Die Bandscheibe selbst besteht aus zwei Komponenten. Dem äußeren Faserring und dem innen liegenden Gallertkern. Letzteres besteht zu einem großen Teil aus Wasser.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Der oben genannte Faserring kann unter ständiger Fehlbelastung, durch zu hohem Druck, aufgrund des Alters oder aus anderen Ursachen reißen. Dadurch tritt das Gel-artige Zeug aus der Kernmitte aus und drückt gegen irgend etwas. Wohin genau, hängt vom Ort des Risses ab. Bei vielem Sitzen zum Beispiel ist der Körper ständig nach vorne geknickt. Dadurch wird die Bandscheibe vorne von den Wirbeln dauerhaft gequetscht. Wenn es vorne mehr Druck gibt, muss das Gel nach hinten ausweichen. Wenn der Faserring hinten reißt, läuft das Gel logischerweise auch hinten aus. Und „da hinten“ verläuft die ganze Verkabelung des Menschen. Nämlich ein dicker Nervenstrang der von Kopf bis zum Popo direkt an der Wirbelsäule entlangreicht.

So. Das Gel drückt jetzt quasi gegen die Nerven. Wenn es dabei einen Nerv erwischt, der in das rechte Bein verläuft, dann tut uns das Bein oder Teile davon weh. Dummerweise geht man oft davon aus, dass man Probleme im Bein hätte. Man würde nie glauben, dass schmerzen im Bein oder gar im Fuß vom Rücken ausgehen würden. Vor allem dann nicht, wenn man im Rücken eventuell gar keine Schmerzen hat (kann ja auch sein).

Querschnitt einer Bandscheibe
Querschnitt einer Bandscheibe

Was ist der Piriformis?

Der Piriformis ist ein flacher birnenförmiger Skelettmuskel. Er verläuft in der Innenseite des Beckens (also im Po) und sitzt sehr tief. Der Ischiasnerv verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich. Entweder über diesen Muskel, darunter oder direkt quer durch. In jedem Fall heißt das: der Muskel sitzt sehr nahe am Ischias. Die Nähe des Muskels zum Ischias ist ein Problem. Denn wenn dieser anschwillt, kommt es zum Piriformis Syndrom.

Was ist das Piriformis-Syndrom?

Wie im Bild zu sehen, können ein oder mehrere Nerven vom Muskel eingeklemmt werden. Auch der Ischias, der wiederum zu meinen Schmerzen führte. Ich habe oft gelesen, dass Leute an der Bandscheibe operiert wurden obwohl sie gar keinen Bandscheibenvorfall hatten. Schuld war in diesen Fällen oft der Piriformis-Muskel. Herausgefunden hat das übrigens der Dr. Aigelsreiter. Er litt selbst an diesem Syndrom und die Ärzte hatten ihn in jungen Jahren angeblich schon abgeschrieben (Frühpensionist). Er konnte das nicht verstehen und hat schließlich so lange gesucht, bis er den Übeltäter gefunden hat: den Piriformis (hier der Link zu einem Beitrag mit scheußlichen Fotos dazu). Nach ihm wurden auch die sieben Aigelsreiter-Übungen benannt. Aber gleich mehr dazu…

Schaubild zum Piriformus-Syndrome
Das Piriformis-Syndrom.

Schritt 3: Selbstversuche

Nun habe ich alles aufgesogen, was ich im Internet zum Thema Ischias, Bandscheibenvorfälle und Piriformis gelesen hatte. Es ging an die Selbstversuche. Krebs konnte ich ausschließen, denn manchmal (oh wunder) waren die Schmerzen auch komplett weg. Zwar nur für wenige Minuten – oder wenn ich Glück hatte – mal für eine halbe Stunde. Aber bei einem Geschwür wären die Schmerzen wohl ständig da gewesen. So hatte ich das zumindest gelesen. Und ich glaubte es.

3A) Bandscheibenvorfall-Test

Zu aller erst wollte ich sicher gehen, ob ich überhaupt einen richtigen Bandscheibenvorfall hatte. Um dies zu testen hab ich mir das Buch „Bandscheiben-Aktiv-Programm“ für den Kindle geholt. Dort drin steht nämlich, wie man sich selbst testen und evtl. sogar innerhalb einer Woche heilen kann. Ja, das soll tatsächlich gehen und ich glaube auch, dass das in manchen Fällen funktioniert. Und zwar mit bestimmten Übungen, die man über eine Woche lang ständig (das heißt: täglich jede Stunde!) macht. Wie diese Übungen aussehen, liest man am besten selbst nach. Eine davon ist der Rückenstrecker, wie man ihn aus dem Pilates kennt:

Um es kurz zu machen: ich habe zwar am Anfang gedacht, dass mir die Übungen stark helfen würden aber die Schmerzen waren nach wie vor da. Sie verflogen nicht einfach. Das wäre auch viel zu schön gewesen. War es dann überhaupt ein Bandscheibenvorfall?

3B) Piriformis-Vorfall-Test

Das doofe ist: einen reinen Piriformis-Test gibt es leider nicht. Man kann also nicht ausmachen, ob man nun ein Bandscheiben- oder ein Piriformis-Problem hat (es sei denn, der Bandscheiben-Test von oben funktioniert und schlägt an). Die einzige Möglichkeit ist, den Muskel zu dehnen. Und zwar so lange, bis es besser wird. Dabei wird es sogar empfohlen, mit den Schmerzen zu dehnen. Normalerweise hört man ja immer, man soll aufhören, wenn’s weh tut. Hier ist das angeblich nicht so. Das Problem ist nur: wenn man tatsächlich einen Bandscheibenvorfall und kein Piriformis-Syndrom hat, dann tut man den Bandscheiben bzw. den Muskeln drumherum gar nichts gutes. Denn Letztere verspannen sich dann noch mehr und die Schmerzen werden stärker.

Ich hab’s trotzdem gemacht. Und zwar vor allem die 6te Übung aus dem Dehnprogramm von Dr. Aigelsreiter. Man kann diese Übung aber auch variieren. Zum Beispiel wie in folgendem Video gezeigt:

Bei YouTube findet man weitere Videos mit Übungen, die die gleiche Dehnung erzeugen.

Um es kurz zu machen: Bei mir hat’s nicht geholfen. Es wurde weder besser noch schlechter.

3C) Spritzen vom Orthopäden

Nach ein paar Wochen ging es dann einfach nicht mehr. Ich wusste, ich kann so nicht weiter machen. Die ständigen Schmerzen gingen mir auf die Nerven und es war wirklich schlimm geworden. Also hab ich mich überwunden und ging zum Onkel Doc in der nächsten Stadt. Genauer gesagt zum Orthopäden. Dieser fragte mich, was ich denn hätte. Ich antwortete mit „Ich kann mich nicht mehr bücken“. Daraufhin erwiderte er nur: „Sie haben einen Bandscheibenvorfall“. Und das, ohne mich überhaupt richtig angesehen zu haben. In 5 Minuten war ich aus dem Untersuchungsraum raus. Und zwar mit einer rückenmarksnahen Spritze in den Rücken (die mir dann ein paar Minuten später den Kreislauf in den Keller sinken ließ) sowie einem Rezept für Schmerzmittel, ein Tens-Gerät und einer Überweisung zum CT. Letzteres sollte mir dann den Bandscheibenvorfall bestätigen.

Googelt man nach „Bandscheibenvorfall“ findet man zu aller erst genau das: Fast jeder Arzt verschreibt ein Tens-Gerät, Schmerzmittel und händigt eine Überweisung zum CT sowie ein Rezept für Massagen aus. Das scheint die gängige Vorgehensweise zu sein.

3D) Schmerzmittel, das harte Zeug

Wohl oder übel habe ich mir dann die Schmerzmittel vom Doc reingezogen. Hilft ja nix. Was will man denn sonst machen? Aber die Ursache hat das natürlich nicht behoben. Laut Doc hätte ich vier Stück pro Tag von den Ibuprofen 600 nehmen sollen. Auch aus dem Grund, dass die Entzündung gehemmt wird, die da angeblich entstand. Das hab ich nicht getan. Zwei mussten reichen. Eine am Morgen und eine Abends. Teilweise habe ich sie dann auch wieder abgesetzt als ich das Gefühl hatte, dass es besser wurde. War es aber (natürlich) nicht.

Um es kurz zu machen: Schmerzmittel heilen nicht!

Gleiches gilt für das Tens-Gerät. Man erhält kleine Elektroschocks verpasst. Sie sollen die betroffenen Nerven so irritieren, dass sie den eigentlichen Schmerz nicht mehr ans Gehirn weiterleiten. Funktionierte bei mir nicht. Konnte es überhaupt ein Bandscheibenvorfall sein, wenn auch dies keine Wirkung zeigte?

3E) Schmerzmittel: die Alternativen

Neben Ibuprofen gibt es natürlich noch weitere „harte“ Alternativen, welche man sich nicht unbedingt einnehmen traut. Nebenwirkungen sind Magengeschwüre und anderes Zeugs. Deswegen hielt ich Ausschau, was es noch gibt. Da bin ich auf Rubax gestoßen. Die Tabletten werden vom Hersteller als „Schmerzmittel aus der Natur“ beschrieben. Sie sollen genauso wirken wie chemische Schmerzmittel. Der Wirkstoff nennt sich Rhus Toxicodendron Dil. D6.

Dazu gesellten sich dann mehrere verschiedene Sorten Globuli wie Nux vomica, Castor equi, Bryonia und Berberis.

Kurz: Mir hat es leider (gefühlt) nicht geholfen.

3F) Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel:

Ich habe versucht, mit zwei Wochen basisch zu ernähren. Kein Erfolg. Ich habe versucht, mich kohlenhydratarm zu ernähren. Kein Erfolg. Dann kamen die Nahrungsergänzungsmittel:

  • Keltican-Forte
    Auf der Packung steht, dass es gegen Rückenschmerzen und bei Nervenschädigungen hilft. Also genau das, was bei einem Bandscheibenvorfall ja das Problem ist. Also hab ich sie genommen. Die Wirkung kommt anscheinend vom Uridinmonophosphat im Zusammenhang mit dem enthaltenen Vitamin B12. Die empfohlene Tagesdosis ist eine Tablette, also 50 mg Uridinmonophosphat.
  • Bromelain
    Bromelain ist ein Enzym-Gemisch. Es spaltet Eiweiß auf und sollen helfen Entzündungen zu bekämpfen. Logisch: Bandscheibenvorfall ruft ja auch Entzündungen im Körper hervor. Wer will, kann auch zu den bekannteren Wobenzym greifen. Das Bromelain ist auch darin enthalten. Wichtig dabei: nicht vor und nach dem Essen nehmen. Sonst spaltet das Bromelain das Essen auf und reduziert so die Wirkung.
  • Vitamin B1, B3, B6, B12, Magnesium hochdosiert.
    Und weil das Vitamin B für die Nerven so gut sein soll, hab ich mir noch mehr reingezogen. Und zwar in der Supercabs-Form. Alles auf einmal. 2 Tabletten täglich. Teilweise mehr als 4000% der empfohlenen täglichen Dosis.

Hier interessiert natürlich die Frage: hat es geholfen? Die Antwort: ich weiß es nicht. Gefühlt würde ich sagen nein. Es kann aber durchaus sein, dass die erhöhte Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln den Heilungsprozess etwas beschleunigt hatten.

3G) Heilpraktiker

Ja, auch das habe ich probiert. Der Heilpraktiker ist schon seit Jahren die Anlaufstelle Nummer 1 bei meinen Problemchen. Er hat mir oft weiterhelfen können. Aber dieses mal leider nicht. Was hat er getan? Nachdem er gehört hat, dass ich einen Bandscheibenvorfall hätte, meinte er, dass das eventuell viel zu weit gegriffen wäre. Letztlich sei es auch möglich, dass der Darm ein Problem hat und dadurch auf den Ischias drückt. Das gibt es tatsächlich und nicht wenig Leute haben Probleme mit dem Darm, wie Dr. Geissler schon geschrieben hat. Die Lösung war für ihn klar: Massieren des Darms, Entleerung des selben (Reinigung) sowie ein paar homöopathische Spritzen. Danach Schröpfen am Rücken.

Gerade die Massagen schmerzten. Trotzdem schien es zu helfen. Aber nur ca. einen Tag. Die Schmerzen waren danach wieder zurück. Ich habe das nicht weiter verfolgt.

3H) Massagen/Physiotherapie

Die vom Onkel Doc verschriebenen Massagen habe ich genutzt. Aufgeschrieben waren je zwei Massagen pro Woche, die ich natürlich nie sofort bekommen habe. Also zog sich das über mehrere Wochen. Ich war bei vier verschiedenen Masseuren und hatte am Ende vier verschiedenen Meinungen:

  1. Die Erste sagte, dass mein Sprunggelenk verschoben wäre (was auch richtig ist) und die Schmerzen womöglich von daher kamen. Sie massierte mich am Fuß.
  2. Der Zweite sagte mir, ich hätte eine rein muskuläre Verspannung. Er massierte mich im LWS-Bereich so stark, dass ich nächsten Tag nicht mehr stehen konnte.
  3. Der Dritte wusste nicht wirklich, was er tun soll. Hatte aber eine nette Anekdote parat. Er habe mal gehört (!), dass in einer Studie eine Bundeswehrmannschaft auf Bandscheibenvorfall untersucht wurde. Heraus kam, dass knapp die Hälfte aller Männer (und Frauen) betroffen waren. Aber die meisten hatten überhaupt keine Schmerzen. „Na toll“, dachte ich mir. „Was soll mir das jetzt helfen?“.
  4. Erst viel später (nach dem CT, siehe unten) ging ich zu einem vierten Masseur. Er glaubte, dass es tatsächlich ein Bandscheibenvorfall war und testete das, indem er mein Bein seitlich lang zog. Dadurch wurde die Wirbelsäule entlastet und die Schmerzen wurden leichter. Das war natürlich kein möglicher Dauerzustand für mich. Ich ließ mir von ihm mehrere Termine geben, die ich aber nicht mehr wahr genommen habe. Warum, steht weiter unten.

3I) Computertomographie (CT)

Vor fünf Wochen war ich beim Onkel Doc, der mich an die Radiologie überweisen hatte. Nun hatte ich den ersehnten Termin für das CT. „Wird mir endlich bestätigt, dass ich einen Bandscheibenvorfall habe?“, dachte ich mir. Und ja, das tat es dann auch. Im CT hämmerte es auf mich ein (die Geräuschkulisse ist extrem) und fünf Minuten später hatte ich das Ergebnis als Bild:

CT-Bild eines Bandscheibenvorfalls
CT-Bild eines Bandscheibenvorfalls

Deutlich zu erkennen ist der Nervenstrang (grün), sowie die dunkle Bandscheiben, die ausläuft (rosa markiert). Die Bandscheibe ist deswegen dunkel, weil sie dehydriert ist. Das austreten der „Flüssigkeit“ drückt gegen die Nerven, die dann wiederum die Schmerzen verursachen. Oder?

Hm. Irgendwie hatte ich jetzt vor Augen, dass ich einen Bandscheibenvorfall hatte. Der Radiologo war total davon überzeugt, dass meine Schmerzen von daher rühren. Ich konnte es trotzdem nicht glauben. Warum, wusste ich nicht. Ein Bauchgefühl? Ich dachte sofort an Masseur Nummer 3 und an die Geschichte mit der Bundeswehr. Die Wahrheit ist: nur weil man etwas auf einem Bild sieht, weiß man noch lange nicht, ob von dort die Schmerzen kommen. Mein Bauchgefühl sollte sich später noch bewahrheiten.

Interessant war zunächst noch die Aussage des Radiologen. Die lautete ungefähr so „So lange Sie keine Ausfallerscheinungen haben, wird nicht operiert. Leider können Sie nichts dagegen machen. Das muss von selbst heilen. Und das kann bis zu drei Jahre dauern“. Uff… ich fuhr nach Hause.

Dazu sagte man mir, dass meine Wirbelsäule zu gerade wäre. Was soll denn das wieder heißen? Das begünstige den Bandscheibenvorfall, haben sie gesagt. Eineinhalb Jahr später fand ich heraus, dass das gar nicht stimmt. Wieder so eine Aussage, die man erst einmal hinterfragen muss. Tatsächlich richtig wäre eine leichte L-Form, wie der junge Roger Frampton in einem TED-Talk erwähnte (ich verlinke unten noch das Video, weil es noch gut zu einem anderen Thema passt).

3J) Verschiedene Sportarten

Selbstheilung von Bandscheibenvorfällen kann bis zu drei Jahre dauern? Damit konnte ich mich nicht abfinden. Vor allem, weil ich nach wie vor extreme Schmerzen hatte. Wie soll man das denn aushalten? Drei Jahre lang Schmerztabletten nehmen? Das haut nicht hin. Also musste der nächste Selbstversuch her: Sport.

Pilates

Immer wieder hörte ich, dass die Rückenmuskulatur aufgebaut werden muss. Denn nur so kann man der Wirbelsäule zu mehr Stabilität verhelfen. Übungen wie Kreuzheben sind dabei aber Tabu, hieß es. Also fing ich mit Pilates an. Das passende Buch hatte ich ja schon: Pilates Anatomie. Aus dem Buch habe ich aber nur alle Rückenstrecker-Übungen gemacht. Denn das waren die Übungen, die mir keine Schmerzen bereiteten. Plötzlich stellten sich Besserungen ein. Aber nur sehr kleine.

Laufen

Vibram Five Fingers
Vibram Five Fingers

Ich bin ja total vernarrt in das Laufen. Aber auch hier kann man viel falsch machen. Masseur Nummer 1 teilt mir ja mit, dass mein Sprungelenk verschoben ist. Ist das Laufen hier überhaupt sinnvoll? Kamen meine Rückenschmerzen vielleicht doch vom falschen Laufen? Also recherchierte ich, was das Zeug hielt und bin dann auf Barfußschuhe gestoßen. Diese hat bestimmt jeder schon einmal gesehen. Am bekanntesten sind die Vibram Five Fingers. Das sehen aus wie Handschuhe für die Füße. Die Optik ist gewöhnungsbedürftig. Nichts für mich. Deswegen habe ich mir später welche von VivoBarefoot gekauft. Die sehen super aus, sind aber auch nicht ganz günstig. „Wenn wir richtig laufen, laufen wir barfuß“ heißt es auf der Info-Seite von VivoBarefoot, die sich jeder durchlesen sollte. Mittlerweile sind es meine Lieblingsschuhe und über kurz oder lang werden so meine alten Schuhe ersetzt.

Update: Mittlerweile bin ich zu Leguano Schuhen gewechselt. Die sind zwar auch nicht ganz günstig aber sie halten, was sie versprechen (und sie sehen gut aus). Ich war in Südafrika, Neuseeland und Asien und hatte ausschließlich zwei Paar Leguanos dabei. Keine Fliplops oder anderes Zeugs. Entweder Barfußschuhe oder gleich ganz ohne Schuhe.

Kurz: Barfußlaufen hilft ungemein. Auch weil Muskeln aufgebaut und die Haltung verbessert wird. Meine Knieschmerzen beim Laufen haben sich komplett gelöst. Wobei es bei mir Anfangs eher nur das „Gehen“ war. Denn das reine Laufen funktionierte wegen den Schmerzen erst einmal nicht. Das tägliche Gehen (ca. 1/2 bis ganze Stunde) schon.

Gewichte stemmen

Wie oben beschrieben hieß es, dass z.B. das Kreuzheben falsch sei. Ich kann das Gegenteil behaupten. Zumindest im kleinen Rahmen. Ein Bekannter von mir arbeitet im Krankenhaus. Er hat einen weiteren Physiotherapeuten gefragt, was man bei Bandscheibenvorfall machen kann. Die schnelle Antwort: jeden Tag 10 Minuten Hüpfen oder Seilspringen. Die Theorie: Durch das Springen stauchen sich die Bandscheiben weiter zusammen. In der Nacht saugen sie sich dafür umso besser mit Wasser wieder voll. Und genau das möchte man erreichen. Mehr Wasser in den Bandscheiben. Denn mit dem Wasser kommen auch die (heilenden) Nährstoffe. Dies soll den Heilungsprozess beschleunigen. Ich hab’s versucht und für gut befunden. Anfangs mit nur sehr kleinen Sprüngen und ohne Seil.

Auch Gewichte habe ich gestemmt. Allerdings nicht von unten nach oben sondern von oben nach unten. Das geht z.B. mit einem Latzug-Gerät, welches an der Wand befestigt wird. Alternativ mit Strechbändern oder am Gerät im Fitnessstudio.

3K) Richtig liegen und schlafen

Ja, auch das machte mir sorgen. Wer schon mal einen Bandscheibenvorfall hatte weiß: liegen ist blöd. Egal wie. Seitlich, auf dem Bauch oder auf dem Rücken. Alles doof. Wie also machen? Meine Lösung war ein Liege- oder Lesekeil. Aufmerksam wurde ich auf das Ding über das Buch „Bandscheiben-Aktiv-Programm“, welches ich am Anfang gelesen hatte (siehe ganz oben). Dieser Keil wurde zu meinem Lieblingsmedikament. Es war einfach und es tat mir gut. So konnte ich fast schmerzfrei den Tag im Liegen verbringen. Und: ich liege heute noch gerne drauf.

Ein Mensch der auf einem Lesekeil liegt.
Arbeiten auf einem Lesekeil

Warum funktionierte das bei mir so gut? So genau weiß ich das heute nicht, denn wie Sie gleich lesen werden, waren meine Schmerzen ganz anderer Natur. Ich glaubte jedoch, dass durch die erhöhte Liegeposition die Bandscheibe nach Innen gedrückt wurde (in Richtung Bauchraum). Also in den schmerzfreien Bereich. Das erklärte auch, warum beim Pilates nur die Rückenstrecker-Übungen richtig gut funktionierten.

3L) Lyrica

Jetzt kommt das harte Zeug, denken Sie? Genau das dachte ich mir auch. Ca. zwei Monate nach meinen Selbstversuchen waren meine Schmerzen immer noch nicht weg. Ich hatte sie zwar durch den schwachen Sport und meinen Lesekeil einigermaßen im Griff aber von Schmerzfreiheit konnte man noch nicht reden. Meine zahllosen Experimente hatten (gefühlt) wenig gebracht. Also was tun? In meiner Unsicherheit ging ich noch einmal zum gleichen Onkel Doc, der mir am Anfang die Spritze in den Rücken gegeben hatte.

Aber dort war es das selbe wie vorher auch. Fünf Minuten im Behandlungsraum und ich hatte schon wieder eine Spritze intus. Er fragte mich zuvor, wie es mir ginge. Ich sagte, ich könne mich immer noch nicht richtig bücken. Er wollte mich dann mit Gewalt in die Bückposition drücken woraufhin ich erwiderte, dass das nicht möglich sei und er mir das doch bitte glauben sollte. Naja. Ich erhielt also weiterhin Schmerzmittel, Massagen und dieses Mal eine Überweisung zum Nervenarzt (Neurologen) für eine Nervenleitmessung sowie Lyrica (Pregabalin).

Der Onkel Doc machte mir wenig Freude. Die Nervenleitmessung sei nötig um herauszufinden, ob es bei mir nicht schon „zu spät sei“. Sprich: Eine OP steht eventuell an. (Eine OP? Ich dachte, man müsse nicht operieren?). Also versuchte ich einen Termin zu bekommen. Gleich der erste Neurologe sagte, ich bekomme frühestens in einem halben Jahr einen Termin. Uff.

Um er kurz zu machen: Die Lyrica hab ich nie genommen. Erschreckt hatte mich, dass man sie nicht mal eben so absetzen kann. Das muss genau geplant werden. Eingesetzt werden sie in der Regel bei Epilepsie. Die Liste der Nebenwirkungen geht von Errektionsstörungen bis hin zur geistigen Verwirrung. Im wahrsten Sinne einfach nur irre!

Den Termin beim Neurologen hab ich nie wahrgenommen. Ich wollte das zwar und wandte mich an zwei Bekannte, die beide im Krankenhaus arbeiteten, und bat um Rat. Aber sie sagten beide erst einmal: „Geh zum Osteopathen. Wir kennen da jemanden.“.

3L) Die Lösung: Orthopadie

Die zwei oben erwähnten Bekannten hatten beide schon Rückenprobleme und waren beim Orthopaden (eine Mischung aus Orthopädie und Osteopathie). Also ging ich dort auch hin. Privatpraxis. Das heißt: man muss erst einmal alles selbst bezahlen. Manche Krankenkasse bezahlen den sie. Aber das ist oft auf ein paar Behandlungen beschränkt.

Am Telefon sagte man mir bereits, dass Bandscheibenvorfälle ihr „Tagesgeschäft“ sei. Na dann… will ich das ausprobieren. Bei mir kostete eine Behandlung 70 Euro. Sie enthielt eine Moorpackung, eine Muskel-Lockerung (dazu gleich mehr), Schröpfen, Einrenken und teilweise auch Akupunktur. Ich war sechs mal dort.

Ich fühlte mich sofort aufgehoben. Denn am Anfang sagte man mir, was ich wohl insgeheim durch meine Selbstversuche bereits wusste: ich hatte eine extreme Muskelverspannung. Hervorgerufen durch den Bandscheibenvorfall. Eigentlich ein ganz normales Verhalten des Körpers. Durch die Verspannung wird nämlich auch der Rücken stabilisiert. Man kann sich dann zwar nicht mehr bewegen aber das hilft wohl auch um es nicht noch schlimmer zu machen. Warum konnte mir das kein Arzt vorher sagen?

Mit einem asiatischen Massagekreuz, welches der Heilpraktiker mit beiden Händen nahm, massierte er die Tiefenmuskulatur im Rücken und dem Bein. Der Massagevorgang war so extrem schmerzhaft, dass es mir dabei im wahrsten Sinne des Wortes die Füße wegzog. Wahnsinn. Aber am schlimmsten war immer der Tag danach. Der ganze Rücken war rot und blau. Einerseits von den extremen Massagen und andererseits vom Schröpfen (ja sogar das Schröpfen war dort extrem).

Interessant ist, dass ich nach der zweiten Sitzung plötzlich ein Kribbeln im Bein bekam. Für viele Mediziner wäre das wohl der ausschlaggebende Grund für eine OP gewesen. Ich redete mir selbst ein, dass das vorüber gehen wird. Und so war es dann auch.

Nach der vierten Behandlung konnte ich mich nicht mehr bewegen. Ich hatte so krass Schmerzen, dass ich glaubte, ich würde aus der Mitte auseinander brechen. Aber ab diesem Tag ging es mir besser. Und die darauf folgenden Behandlungen waren gar nicht mehr so schlimm.

Schritt 4: Fazit und (fast) schmerzfrei nach 5 Monaten

Nach knapp 5 Monaten war ich dann fast komplett Schmerzfrei. Geholfen hatte mir also die Orthopadie. Zusammengefasst kann man sagen:

  1. Der Masseur Nummer 2 hatte recht. Ich hatte ein Muskelverspannung. Aber er massierte nicht fest bzw. tief genug und die Sitzungen hätten öfter und regelmäßiger stattfinden sollen.
  2. Der Radiologe hatte unrecht mit der Aussage, dass ein Bandscheibenvorfall bis zu drei Jahre dauern kann. Vielleicht in Einzelfällen. Aber nicht bei mir.
  3. Der Radiologe sagte mir mit großer Sicherheit, dass meine Schmerzen vom Bandscheibenvorfall kamen. Das taten sie aber nicht. Sie kamen zu 95% von der Verspannung.
  4. Der Onkel Doc wollte mich schon fast operieren, verschrieb mir mehr und mehr Schmerzmittel und am Ende gab er mir Lyrica. Er lag also (bis auf die Massagen, völlig daneben).
  5. Auch eine Nervenleitmessung hätte hier wohl nichts gebracht. Interessant wäre gewesen, was mir verschrieben worden wäre.
  6. Der Heilpraktiker lag richtig mit der Idee mich zu schröpfen.

Gelernt habe ich folgendes:

  • Man muss nicht jedem glauben. Denn oft wird nicht die richtige Ursache gesucht und gefunden.
  • Nur wer ausprobiert, kann selbst eine Lösung finden und seine Schmerzen in den Griff bekommen. Bei mir haben der Lesekeil, der Sport und natürlich die Massagen der Tiefenmuskulatur am besten geholfen.

Weitere mögliche Ursachen

Natürlich gibt es weitere Ursachen. So hätte es auch eine Spinalkanalstenose gewesen sein können. Das ist eine Wirbelkanalverengung. Die Ursache ist hier die mechanische Belastung im generellen der durch den aufrechten Gang des Menschen entsteht. Die Bandscheiben verlieren mit der Zeit an Höhe wodurch der Spinalkanal eingeengt werden kann.

Schritt 5: Nach dem Bandscheibenvorfall

Und nun? Wie oben erwähnt bin ich noch nicht ganz schmerzfrei. Auch nach 6 Monaten nicht. Aber es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich kann Laufen gehen (natürlich mit meinen Barfußschuhen). Ich kann Sport treiben und bin wieder beweglich wie ein junger Hüpfer. So soll es sein.

Update Frühjahr 2018: Nach mehr als einem Jahr bin ich fast schmerzfrei. Ein leichtes Ziehen in manchen Positionen (die man ohnehin nicht machen sollte) lässt mich daran erinnern, wie schlimm das ganze für mich war. Was hilft, ist regelmäßiges Pilates. Nicht das volle Programm. Zumindest die Übungen, die die Rückenmuskulatur beansprucht.

Update November 2018: Ja, ich bin schmerzfrei. Aber nur wegen den unten genannten Dingen:

Bewegung

Bewegung ist das A und O. Meine Empfehlung für alle Entwickler ist: kauft euch einen Fitness-Tracker. Das muss nicht gleich die Apple Watch sein (ich bin z.B. begeistert von den Polar Armbanduhren). Sie erinnern euch daran, alle Stunde mal aufzustehen. Wenn man im „Tunnel“ ist, vergisst man das öfter mal. Ich gehe drei Mal in der Woche für mindestens 30 Minuten zum Joggen. Das hilft nicht nur dem Körper. Auch der Kopf wird freier.

Darüber hinaus mache ich zweimal in der Woche Pilates. Wie oben beschrieben nur die Übungen für den unteren Rückenbereich. Dazu immer die zwei Übungen für die Bauchmuskulatur aus dem Buch von Tim Ferris (die kotzende Katze etc.)

Stehen

Als Entwickler sitzt man fast nur. Das sollte man vermeiden. Der Mensch ist nicht zum Sitzen gemacht sondern zum Gehen. Zwar ist es auch möglich auf einem Laufband zu Coden aber ich denke, dass das die wenigsten machen werden 😉 Am besten ist, man kauft sich einen höhenverstellbaren Schreibtisch. Ich hab mir den BEKANNT von Ikea gekauft. Mit ca. 520 Euro ist er der günstigste elektrische Tisch auf dem Markt. Gleich danach kommt der Ergobasis (auch elektrisch).

Update November 2018: Ikea hat wohl den Trend erkannt. Mittlerweile gibt es mit dem SKARSTA einen Kurbeltisch. Nicht elektrisch aber dadurch deutlich günstiger: knapp 200 Euro. Wer es noch etwas günstiger braucht für den kommt eventuell der FINNVARD Tischbock in Zusammenhang einer Tischplatte in Frage (ca. 100 Euro). Auch höhenverstellbar aber man muss dazu die gesamte Tischplatte anheben.

Wenn es geht, sitze ich während der Arbeitszeit gar nicht mehr. Das mache ich nur noch in den Pausen. Im Feierabend sitzt man genug.

Massagen

Sollte ich dennoch mal eine längere Zeit sitzen müssen, merke ich, wie die Schmerzen ganz leicht wieder kommen. Nicht sofort. Aber nach einer Woche ungefähr dann merklich. In diesem  Fall hilft dann auch kein Pilates mehr. Da helfen nur noch Massagen. Und die mache ich in der Tat dann selbst. Und zwar mit einem 4-Punkt-Massageball.

Sitzen

Man lernt ja nie aus. Deswegen habe ich eineinhalb Jahre nach dieser Geschichte erfahren, dass sitzen ganz okay ist. Wenn man es richtig macht. Nämlich, wie die Asiaten (die ich die ganze Zeit vor der Nase hatte). Und deswegen noch einmal das Video von Roger Frampton. Er beschreibt, wie man richtig sitzt. Er hat auch ein tolles Buch geschrieben. Aber das gibt es derzeit leider nur auf englisch.

Schritt 6: Geld vom Staat holen

(Update Mitte 2018:) Leider habe ich erst viel zu spät erfahren, dass ein Bandscheibenvorfall auch finanzielle Vorteile haben kann. Als Arbeitnehmer können Sie nämlich alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Bandscheibenvorfall stehen, von der Steuer absetzen. Und zwar nicht als „Außergewöhnliche Belastung“ sondern als Werbungskosten. Das liegt daran, dass ein Bandscheibenvorfall letztlich ja meist berufsbedingt ist. Sie sind dann eingeschränkt (oder gar nicht) arbeitsfähig und haben Kosten, die Ihnen so nicht entstanden wären.

Absetzbar sind, soweit ich das verstanden habe, folgende Kosten (Sie müssen für genauere Informationen den Steuerberater fragen oder die Steuer einfach mal einreichen und schauen, ob das Finanzamt Ihre Kosten anerkennt):

  • Fahrtkosten (von und zum Arzt, Masseur, etc.) mit 0,30 € pro km
  • Medikamente
  • Hilfsmittel (wie den oben genannten Lesekeil)
  • Kurse

Natürlich müssen Sie nachweisen, dass Sie auch wirklich einen Bandscheibenvorfall haben. Das belegt in der Regel der Befund vom Onkel Doc.

Gelesen habe ich das übrigens im Konz Steuerbuch (welches ich generell jedem ans Herz legen mag, der nach ganz legalen Steuertricks sucht). Dort drin steht übrigens auch, wie Sie die Kosten im Nachhinein gelten machen (weil Sie sie in der letzten Steuererklärung eventuell vergessen haben).

Wie sich das ganze bei Freiberuflern/Selbständigen verhält, kann ich leider nicht sagen. Denn die Werbungskosten gibt es nur bei Arbeitnehmern. Ich vermute aber, dass auch hier die Kosten abzugsfähig sein müssen. Ansonsten hätte der Arbeitnehmer ja einen ungleichen Vorteil gegenüber dem Freiberufler.

Ende

Ich bin froh, dass diese Strapaze für mich endlich ein Ende hatte. Und wenn es Ihnen genauso geht, wünsche ich Ihnen alles Gute!