WordPress supported PHP 5.6 auch weiterhin

Vor drei Tagen hatte Juliette Reinders Folmer (@jrf) ein Track-Ticket mit der Bitte, die minimal unterstützte PHP-Version zu erhöhen (von 5.6 auf 7.1), veröffentlicht. Das geschah, weil der aktuelle Release-Plan für WordPress 5.6 keine Information mehr enthielt, der vorsieht, die minimale PHP-Version zu erhöhen. Wie jedem bekannt sein dürfte: Solche Änderungen sind nicht in Stein gemeißelt. Trotzdem ist es ärgerlich.

PHP 5.6 erhält seit Dezember 2018 keine weiteren (Sicherheits-)Updates mehr. Trotzdem wird es von WordPress immer noch unterstützt. Ein WordPress 5.6 ohne PHP 5.6 wäre nicht nur ein schönes Zahlenspiel, sondern auch schöner Abschied gewesen.

Die Aufregung um das Ticket hat nur kurz gehalten. Die Entwickler von WordPress, insbesondere diejenigen, die sich danach gesehnt haben, dass WordPress bei der Aktualisierung seiner PHP-Anforderungen proaktiver wird, werden bis ins Jahr 2021 weiterhin auf eine Modernisierung warten müssen. Schade. Denn in der Entwicklerwelt ist ein Jahr gefühlt wie ein Jahrzehnt.

Entwickler wollen mit dem neuesten, heißesten Scheiß arbeiten. Nicht umsonst landet WordPress Jahr für Jahr in der StackOverflow-Umfrage auf der Liste der „Most Dreaded Software Platforms“ auf Platz 1.

Wieder einmal wird Matt Mullenweg die Schuld in die Schuhe gelegt. Der Mitgründer von WordPress schloss nämlich das Ticket wenige Stunden nach seiner Eröffnung. Grund sei, dass sich die Zahlen wenig verändert hätten. Er möchte, dass alte PHP-Versionen unter die 5%-Hürde fallen, bevor PHP 5.6 nicht mehr unterstützt würde, schrieb er später. „Die PHP-Verteilung auf allen WP-Sites, die wir verfolgen, die gleiche ist wie bei der Erstellung dieses Beitrags im Jahr 2018: 85% sind auf 5,6 oder höher“, heißt es weiter. „Nur etwa 66% sind auf Version 7,1 oder höher“.

Sergey Biryukov, ein Core-Committer für WordPress, schrieb, dass es ja auch immer noch Sicherheitsupdates für WP 3.7 (welches vor fast 7 Jahren veröffentlicht wurde) gäbe. Ältere WordPress-Versionen wären auch nicht weniger sicher, wenn die minimale PHP-Version heraufgesetzt werden würde. Es ist dann nur sodass die alten Versionen nicht die neuesten Funktionen von WordPress 5.6 und höher bekämen.

Zuspruch erhält Matt Mullenweg von Chefentwickler Andrew Nacin via Twitter. „Wozu auch immer es gut sein mag, unsere Philosophien und Standards in dieser Hinsicht sind seit mehr als einem Jahrzehnt konsistent. Die Zahlen deuten stark darauf hin, dass es zu früh ist PHP 5.6 fallen zu lassen“.

Obwohl es sicherlich Argumente dafür gibt, die Daten auf unterschiedliche Weise zu betrachten, war eine der Leitphilosophien von WordPress schon immer, die Plattform im Laufe der Jahre so vielen Benutzern wie möglich zugänglich zu machen. Dies bedeutete, einen langsamen, überlegten Ansatz zu wählen und gleichzeitig Web-Hosts und Benutzer gleichermaßen zu erreichen. Die Einstellung der Unterstützung für alte PHP-Versionen ging nicht annähernd so schnell, wie einige es gerne hätten.

Bei der Notwendigkeit, die Mindestversion von PHP zu aktualisieren, geht es nicht nur darum, dass Entwickler die neuesten Funktionen verwenden wollen. Es gibt auch praktische Bedenken. Die Veröffentlichung von PHP 8.0 ist für den 26. November 2020 geplant. Unabhängig davon, welche Mindestversion von WordPress benötigt wird, muss es auch mit der aktuellsten Version von PHP funktionieren. Je größer die Palette der von der Plattform unterstützten Versionen ist, desto schwieriger ist es, sie zu testen.

Dies ist zum Beispiel der Fall bei PHPUnit, einem Testframework für PHP-Anwendungen wie WordPress. PHPUnit 8 unterstützt mindestens PHP 7.2. Technisch gesehen hat es eine Syntax, die PHP 7.1 voraussetzt – daher die Notwendigkeit des WordPress Versionsumbruchs. PHPUnit 9 erfordert mindestens 7.3 und ist notwendig, um die Kompatibilität mit PHP 8.0 zu testen. Es gibt bereits ein offenes Ticket für die Lösung von Problemen beim Testen von PHPUnit.

In „echten“ Programmiererkreisen mag man über WordPress scherzen. Aber vielleicht trotz oder vielleicht gerade wegen der Zurückhaltung der Plattform, die Unterstützung für ältere PHP-Versionen vorschnell einzustellen, verhalf WordPress zu einem Marktanteil von 38%.

In der Tat: WordPress ist in einer Position, in der es einen gewissen Einfluss hat. Wenn die Software auf eine neue PHP-Version umsteigt, kann sie ihre riesige Benutzerbasis zum Zug bringen, indem sie Webhosting-Unternehmen zwingt, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Das ist zumindest die Theorie.

Mal sehen, wie es weiter geht. PHP 5.6 wird uns mit WordPress 5.6 (leider?) noch erhalten bleiben.