WordPress früher und heute – Aussicht auf die Zukunft

Auf dem Changelog-Blog hat Matt Mullenweg (CEO von Automattic und der Mann hinter WordPress) in einem Podcast Rede und Antwort gestanden. Es wurden einige interessante Fragen bezüglich Calypso, der nativen App für WordPress für Mac und Windows gestellt. Auch die Zukunft von WordPress wurde angesprochen.

Matt Mullenweg

Wie kam Matt zur Programmierung?

Interessant sind die generellen Fragen rund um Matt Mullenweg und wie er überhaupt zur Programmierung bzw. zu WordPress kam. So erzählte er im Podcast, dass sein Vater schon länger mit Computern zu tun hatte und er daher mit der Technik aufwuchs. Seinen ersten eigenen Code schrieb er in der Schule auf einem Macintosh. Soweit ich es verstanden habe, hatte das etwas mit Musikgenerierung zu tun. Er konnte wohl auf Knopfdruck Musikstücke ausgeben lassen.

Schön war auch zu hören, dass er – wie viele von uns – gar nicht aus der Programmier-Schiene kam. Ursprünglich wollte er Politikwissenschaften studieren, was ihm wohl auch in seiner jetzigen Position als CEO sehr geholfen hat. Im Interview sagte er, dass man beim Hantieren mit OpenSource-Software oft mehr mit den Menschen als mit Code zu tun hat.

Was treibt Matt an?

„Take something difficult and make it easier“ – Matt Mullenweg

So kurz kann man es wohl ausdrücken. Diesen Leitsatz versucht er seit jeher zu verfolgen. Am Anfang gab es Movable Type mit dem, lt. seiner Aussage, damals die meisten Blogs betrieben wurden. Interessant fand er die Idee, dass die Software schon immer mit dem Code ausgeliefert wurde obwohl es damals wohl nicht unter einer OpenSource Lizenz stand. Allerdings war der Code für ihn wohl nicht so leicht zu verstehen, weshalb er sich um etwas anderes umsah. Schließlich ist er auf b2 gestoßen. Der Code war nicht so verschachtelt wie bei Movable Type und das System machte letztlich genau das, was es soll: Blogposts veröffentlichen. Sehr minimalistisch gedacht also (und kurioserweise genau das, was Ghost derzeit auch versucht).

WordPress

Woher kommt der Name WordPress?

Der Interviewer fragt Matt woher eigentlich der Name „b2“ kam. Dazu sagte er, dass es wohl einfach nur eine Referenz auf „better version of blogger“ war. Da die Domain b2.com leider schon vergeben war kam er mit dem Namen cafelog auf der auch für den Sourceforge Usernamen verwendet wurde. Am Ende wurden aber immer beide Namen benutzt und mit einem Slash verbunden: b2/cafelog.

Auf WordPress kam er nur durch „vieles Denken“ …  und „trinken“. So erzählte er, dass er sich wohl über Monate hinweg mit Freunden in einer Bar verabredet hatte. Dort gab es viel Diskussion und natürlich hat er seinen Freunden dort auch erzählt an was er gearbeitet hat. Zu der Zeit hat niemand b2 genutzt oder gekannt. Alle waren auf Movable Type oder Blogger eingefahren. Eine von den Freunden war Christine Salek die eines Tages mit dem Namen „WordPress“ aufkam, weil sie wusste, dass Matt auf der Suche nach einem guten Namen war. Sie hat sogar die Domains gecheckt. Die WordPress.org und die WordPress.net hat er sich direkt nach dem Telefonat gesichert. Die .com-Adresse war allerdings belegt (yepp, man ist wohl nie alleine mit einer Idee).

Wie wurde WordPress so populär?

Matt sagte im Interview, dass WordPress immer schon ein Community-Projekt war:

  • b2 war vorher schon da;
  • der Name WordPress kam von Christine;
  • und generell waren sie vielleicht nie die ersten mit einer Idee, haben allerdings immer versucht, etwas vorhandenes besser zu machen.

Der Kick-Off kam dann als Movable-Type entschied, eine neue Softwareversion herauszubringen. Sie haben nicht wirklich neue Features hinzugefügt sondern mehr oder weniger „nur“ sehr viel neu geschrieben. Und: sie wollten Geld dafür haben. Das verursachte bei den Usern eine miese Stimmung. Und weil natürlich alle einen eigenen Blog hatten, konnten sie auch noch darüber schreiben. So kam eines zum anderen. Die User suchten nach einer Alternative. Und warum nicht OpenSource Software nutzen die noch dazu kostenlos war? Schön, dass WordPress zu der Zeit mit Version 1.0 aufwarten konnte.

Die Interviewer ergänzten noch: die Erweiterbarkeit. WordPress hat schon relativ früh damit angefangen das System für weitere Plugin-Autoren zu öffnen (Version 1.2). Somit wurde es mit jeder Version und mit jedem Plugin besser und besser. Ab Version 1.5 kam dann die Möglichkeit dazu, eigene Themes zu nutzen.

Wie sieht die Zukunft von WordPress aus?

Die Konkurrenz ist hart. Da stehen zum einen die sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter und zum Anderen etwa Websites wie Medium.com. Die Interviewer erzählen, dass sie mittlerweile sehr oft nur noch auf Medium.com verlinken anstatt auf andere Blogs. Könnte das zur Gefahr für WordPress werden? Matt sagt nein, denn man muss immer beachten, dass man eben nur „Gast bei jemanden anderem“ ist, wenn man auf einer anderen Seite etwas veröffentlicht. Früher oder später wird Medium Geld mit der Plattform verdienen müssen. Und genau hier sieht Matt die Problematik. Denn dann verdient jemand Geld mit Content von anderen Menschen.

Wie finanziert sich WordPress?

WordPress hingegen ist Non-Profit. Es muss kein Umsatz generiert werden. Eine super Sache. Mit WordPress.com sieht das schon anders aus. Dahinter steht das Unternehmen Automattic. Allerdings sieht Matt auch hier etwas positives. Der Code der auf WordPress.com läuft ist der gleiche, den man bei WordPress.org herunterladen kann. Das heißt: alle Verbesserung die Automattic in die Software steckt landen irgendwann auch bei WordPress.org.
Automattic an sich generiert Umsatz mit dem Webhosting welches aus seiner Sicht auch sehr einzigartig ist. Man kann die ganzen Daten irgendwann einfach herunterladen und mit der OpenSource Software WordPress einfach selbst hosten. Das funktioniert weder bei Facebook noch bei Twitter.

Kann man das Automattic-Modell auch für sein eigenes Unternehmen nutzen?

Matt sagt ja und verweist hier sofort auf das Buch „The Year Without Pants“ von Scott Perkun. Darin soll es einen sehr guten Einblick in das Unternehmen hinter WordPress geben. Generell glaubt Matt, dass viele gar nicht so sehr auf das „große Geld“ aus sind. Vielmehr wollen die Menschen mit Ihrer Idee etwas bewegen. Und das sei mit einer Art OpenSource/Community-Unternehmung sehr gut erreichbar.

Calypso

In Calypso wurde zum ersten Mal versucht (fast) komplett ohne PHP auszukommen. Es ist nämlich komplett in JavaScript geschrieben,benötigt aber WordPress (sprich: PHP) im Hintergrund auf einem Server um sich über die API auszutauschen.

Matt sieht die Zukunft von WordPress in genau solchen Projekten: Produkte die eigentlich auf einem Webserver laufen, die aber eine eigene Anwendung lokal auf dem Rechner eines Users zur Verfügung stellen. Am besten natürlich mit WordPress als Framework im Hintergrund.

Calpyso ist ebenfalls OpenSource und bei GitHub kostenlos verfügbar. Es basiert auf React und wurde für WordPress.com geschrieben um noch schneller Inhalte zu veröffentlichen. Die User-Experience stand also an erster Stelle. Im Moment arbeiten die Macher noch an einem Offline-Support, am Caching und einer coolen Preload-Funktion die z.B. bei einem Mouseover über einen Button anzeigt, was sich dahinter verbirgt.

Warum etwas neues machen?

Aber: „war das nicht auch ein Riskio?“ fragen die Interviewer. Die meisten OpenSource Projekte bleiben ihren Pfaden ja regelmäßig treu und scheuen sich eher, etwas neues in die Welt zu setzen. Immerhin ist die Admin-Oberfläche von WordPress ja schon immer sehr gut gewesen. Die generelle Rückwärtskompatibilität von WordPress auch. Warum jetzt eine neue Anwendung erschaffen und „alles“ ändern? Die einfache Antwort darauf: die Arbeit von Matt bei Automattic und damit an WordPress soll für die nächsten Jahrzehnte auch noch weitergehen. Es ist zwangsläufig so, dass sich die Welt da draußen weiterentwickelt und man muss letztlich irgendwo auch mit dem Trend gehen. So wiederholt er an dieser Stelle, wie sich WordPress in 10 Jahren wandeln wird:

Das, was User im Frontend sehen wird zu 100% aus JavaScript bestehen. Diese JavaScript-Apps werden sich sich über HTTP mit einem PHP-Backend verbinden. MySQL wird MySQL bleiben (oder als MariaDB oder ein Percona-Fork wieder auftauchen). nginx wird der Webserver der Wahl sein. Aber: es wird immer eine Evaluation geben. Zu jeder Zeit und für jeden einzelnen Teilbereich.

Warum JavaScript?

Auch hier hat Matt eine passende Antwort parat. JavaScript hat in den letzten Jahren einen riesigen Entwicklungsschub erfahren. Die Virtuellen Maschinen (VMs), in denen JavaScript läuft, sind mitunter die besten die es derzeit gibt. Dies hat auch dazu geführt, dass JavaScript mit nodeJS nun auch serverseitig ausgeführt werden kann.

Wir das ganze funktionieren?

Aufgrund der Tatsachen von oben sagt Matt: Natürlich wird es eine Zeit brauchen, bis die Entwickler das aufnehmen. Die Lernkurve ist sehr taff. Wahrscheinlich ist es auch so, dass wir unter den PHP-Entwicklern im Moment nicht sehr viele JS-Experten haben. Also müssen wir es erst lernen. Aber: es sollte auch nicht viel komplizierter werden. Im Gegenteil. Matt hofft darauf, dass es vieles vereinfachen wird. Immerhin nutzt die aktuelle WordPress-Adminoberfläche schon sehr viel JavaScript. Es ist nur mit PHP vermischt.

Was soll man jetzt als Plugin-Developer tun?

Matt’s Empfehlung ist ganz klar:

  • Lerne JavaScript;
  • Transformiere dein Plugin so, dass die Verarbeitung auf dem Server stattfindet (PHP);
  • Baue dein Plugin so, dass das Frontend des Plugins auf JavaScript aufbaut;
  • Nutze das Scaffolding ab WordPress 4.4 um deine eigenen API-Endpoints zu registrieren;
  • Kurzum: „API-Driven Development“ soll/muss der neue Standard werden.

WordPress in der Zukunft

Was man so aus dem Interview heraushören kann ist, dass Matt verstärkt auf WooCommerce setzt. Er sagte, dass WooCommerce im Moment da ist, wo WordPress um 2008/2009 rum war. Das Potential ist noch nicht ausgeschöpft. Also können wir eine Menge erwarten. Bezug nimmt er dann sofort noch einmal auf SimpleNote, eine Notes-App für Mac/Windows/Android/iOS die von Automattic aufgekauft wurde. Dazu ein schönes Zitat:

„The simplest interface in the world is also the one with the most complexity behind it. Which is the Google search box.“ – Matt Mullenweg

Also: die einfachsten Apps sind oft die kompliziertesten. So hat zum Beispiel die SimpleNote App eine Art Zeitmaschine eingebaut die es dem User zu jeder Zeit erlaubt, die Dokumente in der Vergangenheit zu betrachten. Die Benutzer bekommen von der eigentlichen Komplexität nichts mit denn sie nutzen ja nur die App die im Frontend ganz einfach zu nutzen ist.

Bleibt OpenSource OpenSource?

Was ich auch nicht wusste ist: Apple erlaubte am Anfang keine OpenSource Software im AppStore. Klingt erst einmal komisch scheint aber laut der Aussage von Matt so gewesen zu sein. Auf der einen Seite ist Matt das lebendige Symbol für OpenSource, auf der anderen Seite durfte er die App nicht unter eine OpenSource-Lizenz stellen. Was also tun? Eine Option wäre gewesen: keine iOS-App zu entwickeln, was für die gesamte Community letztlich schlecht gewesen wäre. Die andere Option: „Egal. Lass es uns trotzdem machen.“ Immerhin bauen viele Unternehmen (eben wie Apple, Facebook, Twitter) auch auf OpenSource auf. Und so hat die iOS-App trotzdem ihren Weg in den AppStore gefunden. Und Matt hätte sich wohl so oder so mit Apple angelegt. Also ja: OpenSource wird OpenSource bleiben.

Matt glaubt auch daran, dass zu OpenSource die Freundlichkeit und vieles mehr gehört. Aber das hört sich euch am besten selbst im letzten Drittel des Podcasts an.

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