Vom Selbstständigen zum Unternehmer. Oder: Bin ich schon ein Unternehmer?

Es ist schnell gesagt: „Ich bin ein Unternehmer!“ Jeder selbstständige und Freiberufler wird sich irgendwann einmal so bezeichnet haben. Wenn man Unternehmer ist, unternimmt man etwas. Und das tun Selbstständige ja auch, oder nicht? Hier ein möglicher Ansatzpunkt, wie man vom Selbstständigen zum Unternehmer wird:

Ich wusste zwar immer, dass ich ein Unternehmer sein wollte, mir war aber nicht bewusst, dass ich es in Wahrheit gar nicht war (oder in meiner jetzigen Situation) es (noch) nicht bin. Bewusst wurde mir das erst mit dem Lesen des ersten Kapitels des Buches „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ von Stefan Merath. Er beschreibt seinen Weg vom Selbstständigen zum Unternehmer. Und das war total crazy, weil ich viele parallelen zu mir sah.

Die unterschiedlichen Rollen

Die Metapher mit dem Dschungeltrupp kannte ich schon aus dem Buch „Die 7 Wege zur Effektivität!“. Die taucht so ähnlich auch hier wieder auf. In dieser Metapher gibt es drei Arten von Rollen:

  • Die Macheten-Schwinger (die Fachkräfte) die sich einen Weg durch den Dschungel kämpfen.
  • Die Versorger (Manager), die sich im Hintergrund darum kümmern, dass die Jungs (und Mädels) mit den Macheten gut versorgt sind.
  • Und der Specht (der Unternehmer), der auf dem Baum sitzt und den Managern sagt, ob alle noch auf dem richtigen Weg sind und ob der Dschungel überhaupt der Richtige ist.

Alles auf einmal sein

Soweit war mir das schon klar. Klingt ja auch logisch. Was aber, wenn man das auf all die Selbstständigen und Freiberufler bezieht?
Man wird sehr schnell merken, dass man alles zur gleichen Zeit ist: Fachkraft (man erledigt die Arbeit selbst), Manager (wir kümmern uns um alles andere drumherum) und Chef (mit – hoffentlich – genug Weitblick).

Es verwundert also nicht, dass viele Selbstständige eben selbst und ständig arbeiten, den Weg vom Selbstständigen zum Unternehmer eben (noch) nicht geschafft haben. Darüber hinaus macht es nicht immer Spaß, alle Arbeiten alleine machen zu müssen. Beispiel gefällig? Ich als Entwickler habe oft keinen Bock auf Rechnungen schreiben, Kundenakquise und Steuern. Aber da das zum Geschäft gehört, tue ich es. Obwohl mir das Coden deutlich besser liegt.

Gibt es da noch mehr?

Jetzt kommt dazu, dass ich natürlich sehr gerne das tue, was ich tue. Mein Job ist aus einem Hobby entstanden. Dazu musste ich irgendwie unternehmerisch angehaucht sein, sonst wäre ich nicht seit jeher selbstständig.

Trotzdem hatte ich immer ein mulmiges Gefühl bei der ganzen Sache. Mir war bewusst, dass es da noch eine Art „Steigerung“ geben muss. Denn seit Jahren fühlte ich mich, als würde ich mich im Kreis drehen.
Die Bezeichnung „Serialpreneur“ passt da ganz gut. Ich bin jemand, der viele Ideen hat und diese auch immer umsetzt. In den letzten Jahren war ich sehr erfolgreich als WordPress-Entwickler tätig, habe mehrere Online-Kurse gelauncht und einige gute WordPress Plugins auf den Markt gebracht. Darüber hinaus war ich als Autor (z. B. für das PHP-und das WordPress-Magazin tätig).

Da ist aber noch nicht Schluss. Ich habe noch einen WordPress Newsletter und ein Jobportal. Manchmal frage ich mich, wie das überhaupt alles funktioniert. Denn immerhin mache ich alles alleine. Bin ich ein Alien?

Selbst und Ständig

Mann sitzt am PC und arbeitet selbstständig.
Ich beim Schneiden von Videos.

Aber ab einem gewissen Punkt geht es oft nicht mehr weiter. Irgendwann kommt die Überforderung und der Satz: „Wann soll ich das noch tun?„, wenn es um weitere, neue Ideen und Projekte geht.

Und genau hier setzt das eingangs erwähnte Buch von Herrn Merath an. Ich war total geflasht von der nachfolgenden Aussage, obwohl ich erst das erste Kapitel las und der Zusammenhang eigentlich extrem logisch ist: Die einzelnen Jobs innerhalb eines Unternehmens widersprechen sich gegenseitig.

Die Fachkraft versteht den Job des Chefs nicht. D. h. dem Macheten-Schwinger ist unklar, warum da jemand auf dem Baum sitzt. Immerhin ist sie es doch, die hier unten im Dschungel gut vorankommt. Sie ist der Macher.

Der Manager ist kein Macher. Ihm ist wichtig, alles unter Kontrolle zu haben. Dass die Arbeitsabläufe so sind, wie sie sein sollen. Er ist happy, wenn das Gesamtsystem funktioniert. Unterbrochen wird er nur vom Chef, der dann plötzlich „von oben herab“ eine andere Richtung vorgibt.

Zum Schluss haben wir noch den Unternehmer, der eher Visionär ist. Derjenige, der sagt, wo es langgeht. Das könnte er nicht, wenn er noch zusätzlich als Fachkraft oder Manager arbeiten würde. Dann hätte er auch ganz andere Probleme.

Sehen Sie es so wie ich? Wie soll der selbstständige Visionär denken, wenn er „an der Front“ sitzt und mehrere unterschiedliche Tätigkeiten einer Fachkraft (wie Rechnungen schreiben, Programmieren, etc.) erledigt?

Wie soll der Selbstständige Geld verdienen, wenn er sich darum kümmert, die Arbeitsabläufe für ihn zu verbessern, so wie es ein Manager tut?

Man ist nicht die eierlegende Wollmilchsau

Man kann nicht alles gleichermaßen gut erledigen. Es geht nicht, ich weiß es, weil ich gerade an diesem Punkt stehe. Und genau an diesem Punkt ging mir durch das Lesen des Buchs ein Licht auf. Durch die sich widersprechenden Aufgaben haben wir am Ende des Tages nie wirklich das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Wenn ich Rechnungen schreibe, kann ich nicht programmieren. Wenn ich an meine Zukunft arbeite auch nicht.

Es scheint ein steiler Weg vom Selbstständigen zum Unternehmer zu sein. Nicht umsonst schreibt der Autor im eingangs erwähnten Buch, dass „Unternehmer zu sein“ ein eigenständiger „Beruf“ wäre.

Vom Selbstständigen zum Unternehmer: oder auch nicht.

Natürlich gibt es dann aber noch andere Konzepte, die gut funktionieren: Ich kenne mittlerweile mehrere Selbstständige, die mit ihrer Position sehr zufrieden sind. Kein Bock auf Angestellte, alles im Griff, sehr gutes Auskommen im oberen fünfstelligen Bereich. Auch sie haben manchmal Anflüge von „ich sollte mal etwas mehr Outsourcing betreiben“. Aber weiter als über die eigentliche Aussagen sind sie oft nie gekommen. Genau wie ich.
Wenn die Zufriedenheit sehr groß ist, würden Sie diese opfern? Ich denke, dafür sind sich viele zu bequem.

Indie Hacker

Und dann gibt es noch die sogenannten „Indie-Hacker“. Da fällt mir sofort Peter Levels von NomadList ein. Er als Einzelner verdient > 50000 $ pro Monat mit seinen (derzeit 2) Projekten. Ohne Chef, ohne Manager, ohne Fachkräfte. Nur er als Quasi-Selbstständiger. Ich finde ein solches Konzept total genial. Es verbindet alles, was ich mir auch wünschen würde: ein hohes Einkommen durch ein Produkt, welches einen hohen Nutzen hat. Und zusätzlich das machen, worin man gut ist: programmieren.

Aber die Frage ist auch hier: Würde das mit 10 Projekten trotz der hohen Automatisierung die Peter einsetzt, auch noch funktionieren? Und: Will er das überhaupt? Vermutlich spielt auch hier die Zufriedenheit eine große Rolle.

Will ich Selbstständiger bleiben oder Unternehmer werden? Das ist letztlich die Frage. Und genau diese Frage versucht das ganz oben verlinkte Buch zu beantworten.


Weiterlesen? Im Buch – relativ weit am Anfang – steht auch, dass man Tagebuch schreiben sollte. Für mich klang das komisch. Wer schreibt denn heute ein Tagebuch? Bis ich darauf gekommen bin, dass eine Morgenroutine nicht nur für die Persönlichkeitsentwicklung gut ist sondern auch um herauszufinden, ob man ein Unternehmertyp ist.